Reitanlage Roseck &
PSV Roseck Unterjesingen e.V.

Workshop: Exterieur und Pferdekrankheiten

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Nach dem Pferdesonntag „Pferdepflege und Erste Hilfe“ im Mai, bei dem insbesondere die Jüngeren angesprochen waren, fand im Juni der erste „Workshop“ statt. Während bei den Pferdesonntagen die Grundlagen vorrangig sind und neben dem Lernen und Wissen-Aneignen besonders das Tun und Spaßhaben mit den Pferden im Vordergrund stehen, geht es bei den „Workshops“ um das tiefere Einsteigen in die Themen, das Durchdringen der Hintergründe und das Verstehen der Zusammenhänge. 

Auch hier sind unsere Pferde im Mittelpunkt. Dieses Mal begannen wir direkt am Pferd mit Nikilaja und benannten an ihr die einzelnen Körperteile, um eine gemeinsame Grundlage zu schaffen. Danach betrachteten wir die Möglichkeiten der Einteilung des Exterieurs näher. Wir diskutierten anschließend Linien und besonders erwünschte Ausprägungen des Exterieurs beim Zuchtziel für das Deutsche Sportpferd. Es war spannend, sich die Zeit zu nehmen, um Stück für Stück den Pferdekörper durchzugehen und dabei festzustellen, wie viel es an den verschiedenen Bereichen zu entdecken gibt. Bevor es dann zu anstrengend wurde, durfte jede Teilnehmerin sich ganz selbstständig in der Pferdebeurteilung ausprobieren: jede betrachtete nach den zuvor besprochenen Maßstäben eines unserer Pferde. Anschließend stellten wir uns die Pferde gegenseitig vor. Ganz wichtig war uns dabei von Anfang an: es geht bei der Pferdebeurteilung nicht um Fehlersuche. Wir betrachten das Pferd in seiner Gesamtheit und möchten feststellen, welche Ausprägungen des Exterieurs welchen Einfluss auf das Reiten haben und welche Herausforderungen sich daraus ergeben können. 

Es hat uns viel Spaß gemacht, die uns allen bekannten Pferde mit einem neuen Blick zu betrachten. Es gab dabei durchaus den ein oder anderen Aha-Moment, wie das Exterieur sich zum Beispiel auf den Bewegungsablauf auswirkt und was dabei dann je nach Pferd ein unterschiedliches Reitgefühl bewirkt.

Nach all den neuen Erkenntnissen machten wir zusammen bei Kuchen eine Pause, bevor wir uns dann zum Abschluss noch in Kürze zwei Pferdekrankheiten annahmen. Wir stellten uns zwei Szenarien vor: Cormet, der Barhufer ist, hätte sich einen Nagel in die Hufsohle getreten mit der unangenehmen Folge Hufgeschwür. Fachmännisch säuberten und desinfizierten wir gedanklich die imaginäre Wunde. Abschließend demonstrierte Laura das Anlegen eines Hufverbands zur Dämpfung und Entlastung des Hufes sowie zum Schutz vor Eindringen von Schmutz. Nach ein paar Tagen Boxenruhe würde es Cormet wieder gut gehen. Einen anderen Fall stellten wir uns bei Roddel vor: eine infizierte Wunde – Einschuss am Hinterbein. Wir legten ihm nach gedanklichem Säubern der Wunde und Kühlen einen Angussverband an. Cormet und Roddel machten das mit großer Ruhe mit und fühlten sich offensichtlich gut aufgehoben.

Der erste Workshop war damit vorbei. Es war ein intensiver und schöner gemeinsamer Sonntagnachmittag. Wir haben uns sehr über die rege Teilnahme bei diesem neuen Format gefreut!

Pferdesonntag: Pferdepflege und Erste Hilfe

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Die Gesundheit und das Wohlbefinden all unserer Pferde liegen uns sehr am Herzen. Eine sehr wichtige Grundlage dafür ist die richtige, tägliche Pflege. So einfach dies auf den ersten Blick erscheint – es ist nicht so leicht, wie es zu sein scheint. Richtiges Putzen will gelernt sein. Damit begannen wir unseren Pferdesonntag am ersten Mai-Sonntag: zwölf Kinder und Jugendliche sowohl aus den Voltigiergruppen als auch vom Reitunterricht waren gekommen und jede war alleine oder zu zweit für die Pflege eines Pferdes zuständig. Wir besprachen zuerst, wofür das Putzen wichtig ist: für die Gesundheit und zur Krankheitsvorsorge, darunter auch das Entdecken von Wunden und Zecken sowie das Vermeiden von Scheuerstellen später beim Reiten oder Voltigieren; um Zeit mit dem Pferd zu verbringen, Vertrauen aufzubauen und die Beziehung zu stärken. 

Danach putzten wir die Pferde ausgiebig. Dafür nahmen wir uns über eine Stunde Zeit. Wir merkten, wie anstrengend es ist, wenn man mit so viel Druck striegelt, wie sich Pferde am Mähnenkamm mit ihren Zähnen gegenseitig kraulen. Mit der Wurzelbürste wuschen wir die Hufe innen und außen – auch das ist nicht so einfach, wenn wirklich jede Ecke sauber werden soll (und die Hufe ja doch nicht ganz leicht sind). Der Hof war hinterher übersät von Fell, denn manche Pferde haben noch etwas Winterfell. So wurde gleich noch gründlich gefegt. Dann schauten wir uns die Pferde genau an und überlegten, welche Fellfarbe und welche Abzeichen die Pferde an Kopf und Beinen haben.

Die sehr zufriedenen Pferde brachten wir mit seidig schimmerndem Fell und glänzenden Hufen in den Stall. Wir selbst stärkten uns bei feinen Muffins. 

Danach überlegten wir uns, woran wir erkennen könnten, dass es einem Pferd nicht gut geht und was wir dann machen können. Nachdem wir besprochen hatten, welche Anzeichen auf eine Kolik hindeuten können und was wir bei einer kleinen Wunde tun könnten, die uns beim Putzen aufgefallen ist, sind wir wieder zu den Pferden gegangen. Denn bei Cormet und Ludwig übten wir die Überprüfung der „PAT-Werte“: die richtige Stelle am Pferd zu finden, um Puls, Atmung und Temperatur zu messen, braucht etwas Übung. Zum Schluss bekamen die beiden Füchse noch eine Bandage angelegt – und schon war der Pferdesonntag zu Ende.

Wir freuen uns bereits auf die nächste Jugendaktion, den „Workshop: Exterieur und Pferdekrankheiten“!

Jugend-Longierlehrgang 2024

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Longieren – mehr als „im Kreis laufen lassen“. Diese Aussage war allen sieben Teilnehmerinnen bereits klar. Sie freuten sich darauf, das Longieren als eine gute ergänzende Möglichkeit der Arbeit mit dem Pferd zu vertiefen. Grundlagen brachten alle bereits mit. Das Ziel des Lehrgangs war daher, darauf aufbauend Anreize zu setzen, wie unterschiedliche Pferde ausgehend von ihren individuellen Voraussetzungen und Bedürfnissen gefordert und gymnastiziert werden können.

Nachdem das Wissen über die Ausbildungsskala in Bezug auf das Longieren aufgefrischt war, ging es direkt in die Halle. In der ersten praktischen Einheit ging es um das Arbeiten an der Longe zur Gymnastizierung und zur Förderung sowie Verbesserung von Takt, Losgelassenheit und Anlehnung. Erst wurden die grundlegenden Handgriffe mit Longe und Peitsche aufgefrischt oder verbessert. Dann konnte jede direkt angepasst an ihr Pferd, zu dem die meisten bereits eine Beziehung hatten, mit der Arbeit beginnen: korrekte Übergänge, Takt erhalten und verbessern, Zirkel verkleinern und vergrößern, Trabtritte verlängern. Zum Teil arbeiteten wir bereits mit verschiedenen Ausbindungsvarianten und erkannten Unterschiede im Gangbild und der Stabilität der Anlehnung. Alle Pferde arbeiteten trotz des stürmischen Tages und der Baumfällarbeiten rund um die Halle sehr motiviert mit und schenkten uns allen einen sehr schönen Vormittag. 

Sehr zufrieden machten wir bei Spaghetti mit Pesto und Salat gemütlich Mittagspause. Bei Kuchen und Tee schlossen wir daran die zweite kleine Theorieeinheit an und sammelten gemeinsam Gedanken, wofür Longieren Anwendung findet – und diese Liste wurde sehr lang! Mit dem Gedanken der Abwechslung sowie des Muskelaufbaus und -erhalts sowie der Förderung der Elastizität, der Rückentätigkeit und des Takts ging es im praktischen Teil am Nachmittag für die meisten Teilnehmerinnen an das „Gymnastizieren mit Cavaletti und Trainingshilfen“. Wieder machte es jeder Teilnehmerin und ihrem Pferd sichtlich Spaß, zusammen zu arbeiten. Die jeweilige Weiterentwicklung seit der morgendlichen Einheit war beeindruckend! Jede arbeitete ihr Pferd seinem Alter und aktuellen Zustand entsprechend: die jüngeren Pferde durften im Schritt, Trab und teilweise sogar im Galopp über Cavaletti-Reihen gehen; Roddel und Cyrano hatten sichtlich Spaß und gingen hochmotiviert über ein einzelnes Cavaletti sowie durch eine Gasse aus Trainingshilfen; für den Stallsenior Primus und ein Pferd nach verletzungsbedingter Pause stand die Weiterführung der gymnastizierenden Arbeit vom Morgen – teils ergänzt um die Trainingshilfen – auf dem Plan.

Erfüllt mit vielen schönen Eindrücken, wie harmonisch und fein die Kommunikation zwischen Mensch und Pferd sein kann, und bereichert von der schönen Erfahrung der Motivation und der Zufriedenheit jedes einzelnen Pferdes war der Lehrgangstag schnell zu Ende. 

Wir haben diesen Lehrgang gemeinsam mit Herbert geplant und uns mit ihm gemeinsam über das Interesse jeder Teilnehmerin gefreut. Es war daher eine Ehre, diesen Lehrgang in seinem Sinne mit seinen so besonderen Pferden durchführen zu dürfen. Die Erinnerung an ihn war allgegenwärtig und wir sind unendlich dankbar dafür, die durch ihn geschaffene Gemeinschaft und seinen Umgang mit dem Pferd weiterleben zu dürfen.

Und immer sind da Spuren Deines Lebens, Gedanken, Bilder und Augenblicke. Sie werden uns an Dich erinnern, uns glücklich und traurig machen und Dich nie vergessen lassen. Völlig unerwartet müssen wir von unserem Gründungs- und Vorstandsmitglied, Stallbesitzer und Reitlehrer, Seelentröster und Freund Herbert Abschied nehmen. Er hat mit seiner ruhigen Ausstrahlung, seiner steten Präsenz, mit seinem feinen Gespür für Mensch und Tier und nicht zuletzt mit seiner humorvollen und lebensbejahenden Art etwas Einzigartiges für uns alle geschaffen. Einen Ort, an dem sich Mensch und Tier jederzeit willkommen und zuhause gefühlt haben. Wir tragen Dich in unserem Herzen. Die Erinnerung an Dich lebt in unserer Gemeinschaft und in allem, was wir mit unseren Pferden an dem Ort, der Deine Spuren trägt, in Deinem Sinne weiterführen und erleben werden, weiter. Für alle Mitglieder und Pferdefreunde der Vorstand des PSV Roseck, Unterjesingen e.V.

 

Für alle, die Abschied nehmen möchten, findet die Trauerfeier mit Urnenbeisetzung am Samstag, den 11. Mai, um 14 Uhr im Friedwald im Schönbuch statt.

Treffpunkt ist der Andachtsplatz beim Schloss Hohenentringen.

 

 

 

„Das Bewusstsein eines erfüllten Lebens und die Erinnerung an viele gute Stunden sind das größte Glück auf Erden.“

M. T. Cicero

Jugendausflug zur Hengstvorstellung auf dem Gestüt Birkhof

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Bei herrlichem Frühlingswetter brachen wir am ersten Märzwochenende am späten Sonntagvormittag mit vier vollen Autos nach Donzdorf auf. Wir waren eine von 13 Jugendgruppen baden-württembergischer Reitvereine, die das großzügige Angebot wahrgenommen haben, den Eintritt zur Hengstvorstellung gratis zu erhalten. Als wir angekommen waren, machten wir es uns auf den Strohballen gemütlich. Einige stöberten schon einmal im Hengstkatalog, ein paar aßen noch gemeinsam etwas vom reichhaltigen Angebot, wir unterhielten uns, die Stimmung war fröhlich und entspannt.

Pünktlich um 13:30 Uhr eröffneten Thomas und Jürgen Casper die Hengstvorstellung und begrüßten die Gäste. Sie nahmen Stellung zu den massiven Vorwürfen einiger lauter Tierschützer (Stichwort PETA) gegenüber der Reiterszene: Es ist ihnen und dem gesamten Gestüt ein großes Anliegen, diesen Vorwürfen entgegenzutreten und möglichst die gesamte Bevölkerung – angefangen mit den Jüngsten im Kindergarten – mit Pferden in Berührung zu bringen, um Vorurteile und Vorbehalte abzubauen. Denn es sei wichtig zu zeigen, dass Pferde für die große Mehrheit, die diesen besonderen Sport ausübt, Freunde, Partner, ja sogar wie Familienmitglieder sind. Dementsprechend liegt den allermeisten das Wohl der Pferde sehr am Herzen und hat immer oberste Priorität. Diesem Statement stimmen wir absolut zu. 

Wir erfreuten uns in den folgenden zweieinhalb Stunden an auffallend harmonischen Ritten mit feinster Hilfengebung, viel Gefühl und Einfühlungsvermögen und an jedes Pferd und dessen Alter und Ausbildungsstand angepasste Lektionen. Die Pferde zeigten durchweg große Losgelassenheit und strahlten genau das aus, was wohl die meisten am Lebewesen Pferd so sehr fasziniert: Kraft, Eleganz, Leichtigkeit und Stolz und zugleich die große Bereitschaft, für ihre Reiter alles zu geben. Einige Hengste, wie der 24-Jährige „Grand Senior“ Accordelli, wurden an der Hand präsentiert, viele wurden in dressurmäßiger Arbeit vorgeritten. Arezzo Man wurde seiner Hauptdisziplin entsprechend vorgesprungen. Die Hengste beeindruckten uns sehr, ebenso wie ihre Nachkommen. Die Jährlinge erfreuten uns wie sie erstaunt, jedoch furchtlos, ihre ersten Eindrücke vor großem Publikum sammelten. Besonders berührend war das erst zwei Wochen alte Fohlen, das noch kurz vor Ende der Vorstellung präsentiert wurde. 

Es war ein schön gestaltetes, abwechslungsreiches Programm. Die Vorstellung der Hengste wurde immer wieder mit kurzen Videosequenzen ergänzt, die Hengste des Partnergestütes Zangersheide, Eindrücke verschiedener Feste und Veranstaltungen auf dem Gestüt Birkhof sowie Turnierstarts der Hengste oder ihrer Nachkommen zeigten. Ein ganz besonderes Highlight war ein Schaubild der Ponyfreunde Biberach e.V. Mit Shetland Ponies ritten Mädchen im Alter von 10 bis 19 Jahren unter einem Schwungtuch hindurch, sprangen über Hindernisse, präsentierten die Ponies am Langzügel. Ein Mädchen zeigte sogar die „ungarische Post“ (auf zwei Pferden stehend) und ein Pony sprang ohne jegliches Zögern durch ein großes Banner hindurch!

Sehr erfüllt mit vielen Eindrücken, bezaubernden, kraftvollen und eleganten, sehr gut trainierten Hengsten, deren Nachkommen und vielen sehr feinen Ritten und Bilder harmonischen Miteinanders zwischen Menschen und Pferden fuhren wir zurück Richtung Roseck. Ein schöner Auftakt für die Jugendaktionen im Jahr 2024! Wir freuen uns bereits auf viele weitere schöne „Pferdesonntage“ und hoffen auf ebenso große Resonanz wie beim heutigen Ausflug.